Dressur - was heisst das

Die Dressur entspringt dem Wunsch der Kavalerie strittsichere und fite Pferde zu haben, auf die man sich im Feld verlassen konnte. Darum versuchte man im Training = Dressur das Pferd auf alle Eventualitäten vorzubereiten. Das gilt übrigens für alle Bereiche in denen Pferde zum Einsatz kommen. Daher ist auch das Westernreiten eine Art der Dressur oder auch die Iberische Reitkunst. Dort ging es halt mehr um die Arbeit mit Rindern als um Fertigkeiten auf dem Schlachtfeld. Allen Dressurausrichtungen ist aber eines gemeinsam: Die Vorgaben des Pferdekörpers, seine natürliche Bewegungen zu erkennen und für bestimmte Zwecke auf Abruf zu fördern.

Dressur - ist das nicht Quälerei?

Wer Pferde auf der Weide in der Herde beobachtet wird sehr schnell erkennen, dass selbst hohe Lektionen wie Piaffe oder Passage, Sliding oder Spin im normalen Alltagsverhalten der Pferde ganz normal sind. Sie auf Abruf des Menschen auszuführen ist das Besondere daran. Die Dressur, egal in welcher Richtung, versucht das Pferd zu gymnastizieren. Nur ein gymnastiziertes Pferd, also ein Pferd das in der Lage ist trittsicher seinen Körper einzusetzen , die Muskeln dafür hat, statt aus der Vorderhand aus der Hinterhand seine bewegungen einzuleiten , kann auch die Aufgaben in der Arbeit mit Rindern, Schafen oder in der Schlacht als sicherer Partner des Reiters bewerkstelligen. Aus dieser Dressur=Training leiteten sich dann sehr schnell Sportarten ab, in denen die Trainer zeigten was ihre Pferde können. Die Dressur dient also der körperlichen und geistigen Ertüchtigung des Pferdes.

Unsere Schulpferde - Profis unterm Sattel

Daraus leitet sich auch eine alte Reiterregel ab: Junger Reiter altes Pferd - alter Reiter junges Pferd! Jung und alt ist hier natürlich jeweils in Bezug auf die Erfahrung gemeint. Das junge Pferd braucht die Unterstützung des erfahrenen Reiters, der junge Reiter braucht um seinen Sitz und seine Hilfen zu verfeinern die Hilfe des erfahrenen Pferdes. das ist auch der Grund warum unsere Schulpferde alle im regelmässigen Beritt durch unsere Profis stehen. Sie sind trittsicher und kaum aus der Ruhe zu bringen, hervorragend gymnastiziert und Wissen um die Probleme die die jungen reiter haben.

Die Longe-Arbeit - Mann, das wackelt

Am Anfang der reiterischen Ausbildung steht der Sitz und die Balance. Zuerst im Schritt, dann im Trab und zuletzt im Galopp wird an der Longe mit erfahrenen und ruhigen Pferden vermittelt wie die Gangarten der Pferde funktionieren. Nur so gewinnt die Reiterin jene Sicherheit die ihr auch das Reiten ohne führende Longearbeit der Reitlehrerin ermöglicht.

Abteilungsunterricht - endlich weg von der Longe

Sind diese ersten Schritte getan gehts ab in die Gruppe. Abteilungsreiten wird das ein wenig unschön genannt. Aber es hat einen kleinen Vorteil. Dem Pferd wird ob der Reitkunst nicht Angst und Bang, sondern erkennt, dass es seinen Kolegen nicht anders ergeht. Stures "Hintereinander-her-reiten" ist aber nicht unser Ziel. Jede Schülerin, jeder Schüler reitet seine individuellen Linien und Spuren sobald das reittechnisch möglich ist. Dadurch ist es uns möglich unsere Schülerinnen auch im Abteilungsunterricht bis an die Reiterpassprüfung heran zu führen. 

Der Reiterpass - Grundlagen des Reitens

In speziellen Reiterpass-Wochenenden erhält jede Schülerin dann auch noch den Feinschliff, der für diese Prüfung, bei der jeder alleine im Dressurviereck und im Gelände reiten muss, nötig ist. Weisse Flaggen, die anzeigen, dass niemand bei der Prüfung durchgefallen ist, sind bei uns am reitgut Schloss Niederabsdorf seit vielen Jahren Standart.

Beim Reiterpass muss der Prüfling eine Dressurlektion im Ausmaß von 3 Minuten reiten. Die einzelnen Schritte der Lektion werden von einem Sprecher angesagt. Ein Richter samt Beisitzer bewertet die Leistung des Prüflings und stellt am Ende ein hochoffizielles Dokument - den Reiterpass - bei erfolgreicher Absolvierung aus. Aber auch für die Gehirnzellen ist da einiges dabei. Umfangreiche Theorie muss gelernt und verstanden werden. Wir lösen das aber immer sehr spielerisch mit den Prüflingen.

Die Reiternadel - ambitionierter Wunsch nach Sport

Der nächste Schritt der Ausbildungsskala ist dann die Reiternadel. Sie ist die Vorbereitung für den Sport der Englischen Dressur, sprich so etwas wie eine Vorprüfung zur Turnierzulassung. Bei der Nadel geht es schon um feine reiterliche Hilfen und ein Grundverständnis dafür wie ein Pferd trainiert werden soll. Daher ist natürlich auch hier wieder einiges an Theorie gefragt. darüber hinaus besteht die Nadel wie auch der Reiterpass aus 2 Teilen, dem Dressurteil und dem Springen.

Die Lizenz - Berechtigung zum Turniersport

Der letzte Teil unserer Ausbildung im Reitgut Schloss Niederabsdorf ist dann die Lizenz. Sie berechtigt zum Start in der Turnierklasse A und zeigt, dass der Prüfling sowohl in der Dressur als auch im Springen über gehobene Fähigkeiten verfügt. Natürlich begleiten wir unsere Lizenzreiter auch immer wieder gerne auf Turniere und Coachen sie dort.

Nach der Lizenzprüfung ist man aber noch nicht fertig. Unsere Trainer helfen dann gerne weiter Turniererfolge zu ermöglichen und auch in der Lizenzskala weiter zu kommen.

Aufbau der Dressurklassen

Die Dressur wird , wie alle anderen pferdesportlichen Disziplinen auch, in verschiedene Klassen eingeteilt, welche Aufgaben entlang der Ausbildungsskala (Takt , Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichten, Versammlung) enthalten:

  • Klasse E (Eingangsstufe): Hier werden die grundlegenden Lektionen der Dressur verlangt, wie zum Beispiel Mittelschritt, Arbeitstrab und -galopp auf dem Zirkel und einfache Hufschlagfiguren. Das Pferd muss dabei taktklar, losgelassen und am Zügel gehen.

  • Klasse A (Anfängerstufe): In der Klasse A werden teilweise die Lektionen der Klasse E nochmals verlangt, außerdem Mitteltrab/ Tritte verlängern und Mittelgalopp/ Sprünge verlängern gezeigt werden. Zusätzlich ist noch Rückwärtsrichten in den einzelnen Aufgaben enthalten. Vom Pferd wird Anlehnung  erwartet.

  • Klasse L (Leichte Stufe): Auf dieser Stufe wird im Trab und im Galopp die Versammlung sowie zum Teil die vorhergegangenen Lektionen.

  • Klasse M (Mittlere Stufe): Es wird weiterhin auf den vergangenen Lektionen aufgebaut, d.h. es müssen versammelter und starker Schritt, Trab und Galopp geritten werden, außerdem werden einzelne fliegende Galoppwechsel gezeigt.

  • Klasse S (Schwere Stufe): Das Pferd muss die Anforderungen der Ausbildungsskala sicher beherrschen. Die schwere Stufe wird in Intermediaire I und  II, Grand Prix und Grand Prix Special aufgeteilt. Hier werden Traversalen im Galopp sowie Piaffe und Passage zusätzlich verlangt, um nur einige Lektionen zu nennen. Diese Aufgaben werden auch international geritten.

  • Beim Reiter werden Sitz, Einwirkung auf das Pferd, Ausführung der Lektionen und der Gesamteindruck bewertet.